• Die alten Nachbarn aus dem Dorf erzählten, dass das Schloss ab ca. 1930,  in den letzten Jahre im Besitz von Lanzavecchia, nicht mehr gepflegt wurde und langsam zu verfallen begann.

  • Zur Zeit des 2. Weltkrieges übernahm die Opera Benefica di Don Orione die gesamte Anlage. Bis 40 Mönche hätten im Schloss gewohnt. Diese hätten Renovierungsarbeiten ausgeführt und einige zusätzliche Wände eingebaut, da sie mehr abtrennbare Schlafräume brauchten. Damals war auch die Schlosskapelle noch regelmässig in Gebrauch. Das Wasser aus den beiden Ziehbrunnen hätte aber langfristig nicht zum Überleben von so vielen Personen gereicht. Daher seien die Mönche wieder weggezogen.

  • Auch der darauf folgende Besitzer, Enrico Poppi bewohnte und pflegte das Schloss nur die ersten paar Jahre. Dann erschien er nur noch sehr selten und liess alles wieder langsam zerfallen.

  • Die Eingänge  wurden aufgebrochen und Antiquitäten, alte Holztüren und Marmor Kamineinfassungen wurden gestohlen und weggetragen. Viel Vandalismus und mutwillige Zerstörung. Viele Teile der alten Holzfenster fanden wir später tief unten in den beiden Ziehbrunnen.

  • Während über 20 Jahren wurde das Ganze ein «Abenteuer Spielplatz» für die Jugend der Umgebung. Es regnete immer mehr rein und die Böden begannen einzufallen. Ein Besuch wurde immer mehr gefährlich.

  • Wir waren fasziniert von der morbiden Atmosphäre und gleichzeitig von der Kraft, die immer noch von diesem Ort ausging. Wir studierten damals im 4. Jahr Architektur an der ETH in Zürich und haben uns zu zweit entschlossen, unsere Masterarbeit der Analyse, und wenn immer möglich dem Erhalt dieses Ortes zu widmen.

  • Wir haben 3 Professoren und Institute der Abteilung Architektur, Denkmalpflege und Städtebau der ETH Zürich begeistern können. Die haben uns bei unserer Recherche unterstützt und am Schluss unsere Arbeit als Diplom der ETH akzeptiert.

  • Wir haben als erstes die ganze Anlage ausgemessen und einen Satz Grundrisse und Schnitt Pläne erstellt.

  • Wir haben in diversen Archiven und Bibliotheken versucht, Unterlagen zur Geschichte und zur Anlage zu finden. Wir haben möglichst viele Gespräche mit dem Besitzer, der Nachbarschaft, der Gemeinde Costigliole d'Asti und der Denkmalpflege in Turin geführt. Aber überall wusste man sehr wenig und betrachtete den Zustand der Gebäude als so ruinös, dass leider alles zu spät und nichts mehr zu retten wäre.

  • Der damalige Besitzer Enrico Poppi gedachte nichts mehr zum Erhalt zu unternehmen und zeigte uns klar, dass er am liebsten alles loswerden möchte.

  • So entschlossen wir uns (5 junge Architekten und Kunsthistoriker aus dem Umfeld der ETH Zürich) etwas dagegen zu unternehmen und die ganze Anlage zu kaufen.

  • Es musste viel Efeu entfernt werden, damit das alte Gebäude langsam wieder in seinem alten Glanz erstrahlen konnte. Wir wollten so viel wie möglich retten, erhalten und wieder bewohnbar machen.

  • Hinter den sehr defekten Gipsdecken konnten wir teilweise die alten Deckenstrukturen erkennen. Daher haben wir diese sehr dünnen Einbauten der Mönche, welche bereits zur Hälfte eingeschlagen und defekt waren, wieder entfernt und die alten Holzdecken dahinter wieder sichtbar gemacht.

  • Die Decke über dem grossen, zweigeschossigen Saal an der Südecke war in einem statisch sehr schlechten Zustand und drohte einzustürzen. Mit Hilfe von 4 grossen neuen Stahlträgern im Geschoss darüber, konnte die bestehende Decke gegen oben fixiert und gleichzeitig das kaputte Dach mit einer Spannweite von über 7.5 Meter neu aufgebaut werden.

  • Wir haben nur wenige punktuelle neue Eingriffe gemacht und möglichst viele Wände und Böden, Oberflächen und Strukturen der bewegten Vergangenheit, im von uns vorgefundenen Zustand belassen, und versuchten so, die faszinierende Anlage für über 40 Jahre vor dem weiteren Zerfall und dem endgültigen Verschwinden zu retten.

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CASTELLI DEL PIEMONTE Tomo II, Alessandria e Asti Flavio Conti & Gian Maria Tabarelli, 1978