pfisterer küttigen
So eindringlich habe ich ihn noch nie sprechen hören. Zu dritt sitzen wir am Esstisch, vor uns liegen seine Skizzen. Jahre ist es her, seit wir erstmals um seinen Rat nachsuchten. Die Familie hatte sich in den letzten Jahren vergrössert, die Bedürfnisse hatten sich verändert. Knapp war es geworden, umständlich. Wir suchten Bauplätze, besichtigten Häuser, entwarfen Umbaupläne, kamen wieder davon ab. Jahrelanges Suchen und ebenso langes Zögern. Was brauchen wir wirklich? Wo lassen wir uns von Träumen verführen? Wir wussten es nicht. Und war dann wieder irgend ein Objekt zu haben, war er zur Stelle. Er prüfte, beriet, überliess aber uns die Entscheidung. Wir hatten uns endlich entschlossen, unser Haus umzubauen. Das gemeinsame Suchen und Abwägen brachte uns dem näher, was wir brauchten: klare Abgrenzung der Räume mit der Möglichkeit nach Verbindung. Das war der Auftrag. Nun sitzen wir vor seinem Entwurf und folgen den Erläuterungen des Fachmannes. Weshalb spricht er so laut? Was geht in ihm vor? Wir lassen ihn reden, wagen nicht, ihn zu unterbrechen. Nein, aufdringlich ist es nicht. So spricht nur, wer sich exponiert, wer andern mitteilt, was ihn bewegt. Diese offengelegte Sensibilität ist es, die im Raum steht. Kein Wort, wie stolz er ist, die Lösung gefunden, das Wünschbare ins Machbare transponiert zu haben, kein Wort, wie genial diese Idee ist. Nach den Erläuterungen liegt die Skizze vor uns und neben ihr steht der, welcher eben noch so kraftvoll sein Werk präsentiert hat, still, in erwartungsvoller Gespanntheit.
Die Innigkeit dieser Begegnung war für uns wie die Grundsteinlegung unseres Umbaus. Hier legt einer seine Pläne mit engagierter Kompromisslosigkeit vor. Das gibt Sicherheit. Wir konnten ihm vertrauen. Er hat uns verstanden. Er ist auf uns eingegangen. Jeder wird das bekommen, was er sich wünscht. Sein präzises Nachfragen und Eingehen auf die jeweiligen Bedürfnisse finden ihren Niederschlag in den Plänen.
Der Umbau selber schien nur noch Vollzug zu sein: die Verwirklichung einer Idee, konsequent umgesetzt. Dazu musste er die Arbeiter führen; in kritischen Phasen war er da. Es ging nicht lange, bis die Arbeiter wussten, wen sie zu fragen hatten, wenn sie unsicher waren. Mit dem Fortschreiten des Baus wuchs das gegenseitige Vertrauen. Er spürte, was er uns zumuten konnte, und wir konnten sicher sein, dass er das Richtige macht. Die Bauzeit hat uns verbunden, das Resultat lässt sich sehen: Mit dem Umbau unseres Hauses haben wir nicht nur die Wohnqualtität verbessert, sondern wir haben mit ihm Identität gewonnen.
Was bleibt, sind die Freundschaft und der geschärfte Blick für gute Architektur.
Peter Pfisterer
Küttigen, 17.4.2000
1996
boa baumann architekt eth sia bsa
bauherrschaft kathrin und peter pfisterer burger