cantina cerruti
So wie sich das Äussere mit seinem Sichtmauerwerk und dem Verzicht auf einen Dachüberstand puristisch und zurückhaltend gibt – gegenüber dem verputzten Haupthaus setzt der Anbau einen komplementären Gegenakzent –, so wurde das Innere der Logik des Produktionsprozesses entsprechend organisiert: Rechts wird der gekelterte Wein in Stahltanks gelagert, die Mitte dient als Degustationsraum, links reift der Wein in Holzfässern. Niveauunterschiede wurden ausgeglichen, ein grosses Fenster in der Mitte der Rückwand dient der Belichtung der Kellerräumlichkeiten.
Der Auftrag an Boa Baumann umfasste auch die Aussengestaltung, zunächst vor allem die Zufahrt. Anstatt den Fahrweg wie üblich komplett zu betonieren, reduzierte der Architekt den Eingriff auf zwei schmalere Fahrspuren, welche die Dorfstrasse mit dem Vorplatz vor dem Wohnhaus verbinden. Die Umgestaltung dieses Bereichs ergab sich in der Folge: Boa Baumann kehrte die bisherige Ausrichtung um 90 Grad: Der Platz orientiert sich jetzt nicht mehr zum Haus, sondern auf die Landschaft. Ein Betonband markiert die Grenze zwischen der gekiesten Hofzone und dem Rebberg. Darin befinden sich nach einem von Fritz Hauser berechneten Rhythmus runde Aussparungen, die mit Kräutern bepflanzt werden. Jenseits dieser «Gewürzlinie» ist ein kleiner puristischer Gartenpavillon entstanden – vier Stützen tragen ein Betondach, während Wände aus versetzt gemauerten Backsteinen – die Gestaltung erinnert an die Mauern des Hauses in Bionzo – den Sitzplatz nach hinten und zur Seite hin abgrenzen.
Hubertus Adam
2011
boa baumann mit fritz hauser